• Beitrag zuletzt geändert am:19. November 2020

Im Februar fahren wir mit dem Wohnmobil nach Süddeutschland. Durch den Schwarzwald, über Nesselwang, Ruhpolding und Inzell geht es nach Bad Reichenhall, wo Thorsten zur Reha muss. Bad Reichenhall im Winter mit dem Wohnmobil ist für uns eine völlig neue Erfahrung.

Bad Reichenhall im Winter
Ausflug Königssee
Campingplatz Inzell

Die erste Etappe

Mittlerweile sind seit Thorstens Operation sechs Monate vergangen, aber die gesundheitlichen Auswirkungen sind noch spürbar. Daher wird ihm eine weitere Reha genehmigt: im Februar in Bad Reichenhall. Spontan beschließen wir, dass ich ihn ein paar Tage mit dem Wohnmobil begleite und vor allem, dass wir einfach schon ein paar Tage früher losfahren. Und so starten wir Anfang Februar Richtung Süddeutschland…

Da wir unbedingt noch in Frankreich einkaufen wollen, machen wir unseren ersten Zwischenstopp in Weinheim. Hier haben wir auf dem großen Parkplatz des Freizeitbades schon mehrfach das Parkplatzschild für Wohnmobile gesucht und nicht gefunden. So auch dieses Mal: einen offiziellen Stellplatz finden wir nicht, aber wir stehen hier nicht alleine und die Morgensonne bietet ein grandioses Schauspiel.

Weinheim

Feldberg (Schwarzwald)

Nachdem wir uns in einem riesigen Supermarkt in Frankreich mit diversen Lebensmitteln eingedeckt haben, geht die Stellplatzsuche los. Aber wohin im tristen, grauen Regenwetter und der Ansage von extremer Straßenglätte? Es liegt kein Schnee und von den Bergen ist nichts zu sehen. Wir entscheiden uns für Feldberg im Schwarzwald, vielleicht kann man hier noch etwas machen. Je höher wir kommen, desto schneebedeckter und schöner wird die Landschaft. Der Stellplatz ist allerdings eine einzige Eisfläche und leider fängt es bei unserer Ankunft auch noch an zu regnen und zieht zu. Schade eigentlich, wobei man sagen muss, dass uns der Stellplatz auch nicht wirklich zusagt.

Wohnmobilstellplatz Feldberg, Dreiseenbahnweg, 79868 Feldberg – Altglashütten (Homepage)

Wandern in Nesselwang

Am Morgen sieht das Wetter zwar besser aus, aber wir wollen weiter. Als wir aus dem Schwarzwald rausfahren, kommt die Sonne raus. Der Bodensee schillert in der Sonne und um uns herum ist alles grün! Traumhaft nach so viel grauen Himmel und Regen. Wir beschließen, in Isny einzukaufen und auf den Stellplatz nach Nesselwang zu fahren. Allerdings staunen wir nicht schlecht, als wir plötzlich wieder durch tiefwinterliche Landschaft fahren. In Isny sind die Schneeberge so hoch wie unser Alpa (also mindestens 3,20m!), zum Glück finden wir überhaupt einen Parkplatz um einzukaufen! Auf dem Stellplatz in Nesselwang ergattern wir einen der letzten Plätze und können sogar noch im tiefsten Schnee, in der Sonne draußen sitzen! Einfach traumhaft, wenn auch recht frisch!

Wohnmobilstellplatz Nesselwang: An der Riese, 87484 Nesselwang (Homepage)

Wanderung zur Alpspitze

Der nächste Morgen ist wieder grau, die Temperatur liegt um den Gefrierpunkt und es regnet. Wir wollen uns aber etwas bewegen, ziehen uns warm an und machen uns auf den Weg in Richtung Alpspitze, dem Berg, den wir vom Wohnmobil aus sehen können. Zunächst versuchen wir den Wasserfallweg hochzugehen, scheitern aber schon nach kürzester Zeit: zu viel Schnee und Eis, der Weg ist nicht mal mehr zu sehen. Letztlich wandern wir die Rodelstrecke hoch, über die Mittelstation der Alpspitzbahn bis zum Sportheim Böck. Hier wollen wir eigentlich einkehren, aber es ist so voll, dass wir nur ein Getränk to go bekommen. Und auch das Wetter ist alles andere als gut. Da wir zwischenzeitlich so durchgefroren sind, drehen wir um, wandern am Rande der Skipiste herunter und genießen anschließend ein Heißgetränk im Wohnmobil. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen: die Nacht wird kurz, weil zunächst die Musik der Aprés-Ski-Party den Platz beschallt und anschließend die Pistenraupen beim Präparieren der Pisten auch nicht viel ruhiger sind.

Ruhpolding

Da wir am nächsten Morgen etwas gerädert sind und das Wetter auch noch nicht besser ist, fahren wir weiter nach Ruhpolding. Hier stehen wir nicht nur ganz alleine auf dem Stellplatz, es kommt auch noch die Sonne raus. Zudem fangen die gespurten Loipen direkt am Stellplatz an! Schnell sind die Langlauf-Ski ausgepackt und wir auf der Piste!

Wohnmobilstellplatz Ruhpolding, Ort 5, 83324 Ruhpolding (vor dem Camping Ortnerhof)

Inzell

Am nächsten Morgen können wir uns kaum bewegen. Zu ungewohnt waren die Bewegungen beim Langlauf. Von den Blasen an den Füßen mal ganz abgesehen! Außerdem hören wir mit einem Ohr, dass es heute noch 50 cm Neuschnee geben soll. Kurz überlegen wir, vorsichtshalber jetzt schon nach Bad Reichenhall zu fahren, entscheiden dann aber, nach Inzell zu fahren. Von dort aus würde auch ein Bus fahren und wir könnten vor Reha-Beginn noch was anderes sehen. Gesagt, getan. Leider ist der Schnee aber schneller als wir. In Inzell schneit es in großen Flocken, so dass wir gerade noch auf den Campingplatz kommen. Dann beginnt der Spaß: wir müssen Schneeketten anlegen und wissen ganz genau, dass alle Wohnmobilsten um uns herum gerade beim Frühstück sitzen und uns beobachten! Zum Glück haben wir zuhause geübt und Thorsten parkt den Alpa souverän ein! Heute schneit es locker mehr als 50 cm, was für uns Nordlichter ein einfach unglaubliches Bild ist!

Campingplatz Lindlbauer, Kreuzfeldstraße 44, 83334 Inzell (Homepage)

Am nächsten Tag sind die Loipen frisch gespurt (das geht in Süddeutschland schneller, als dass in Norddeutschland die Autobahnen vom Schnee befreit sind) und wir drehen noch eine Langlaufrunde. Es ist traumhaft, bei dieser klaren Luft in der Stille durch den Schnee zu gleiten.

Bad Reichenhall

Heute müssen wir noch ein paar Kilometer nach Bad Reichenhall fahren. Auch hier liegt noch ordentlich Schnee, aber der Stellplatz ist angenehm leer und wir bekommen einen schönen Außenplatz, wo man sogar die Saalach rauschen hören kann. Für Thorsten geht es jetzt in die Reha-Klinik.

Wohnmobil-Stellplatz Bad Reichenhall, Hammerschmiedweg 1, 83435 Bad Reichenhall (Homepage)

Bad Reichenhall

Die Kreisstadt Bad Reichenhall mit seinen knapp 20.000 Einwohnern ist insbesondere für das Bad Reichenhaller Alpensalz bekannt, welches hier seit Jahrhunderten gewonnen wird. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts ist die Stadt weit über die Grenzen Deutschlands hinaus als Kur- und Urlaubsort bekannt, im Jahr 1899 wurde der Stadt das Prädikat eines Königlich Bayerischen Staatsbads verliehen. Die Kurstadt liegt im Saalachtal, eingerahmt von den Ausläufern der Berchtesgadener und Chiemgauer Alpen. Als Hausberge der Stadt gelten der Predigtstuhl und der Hochstaufen.

Bedingt durch die geschützte Lage im Flusstal der Saalach verfügt Bad Reichenhall trotz seiner alpinen Lage über ein Schonklima. Wegen der Lage und des Klimas wird Bad Reichenhall mitunter als Meran des Nordens beworben.

Aufgrund des vielen Schnees sind die Wander- und Radfahrmöglichkeiten zwar eingeschränkt, aber wir unternehmen dennoch schöne Ausflüge rund um Bad Reichenhall im Schnee.

Unternehmungen rund um Bad Reichenhall

Wanderung zum Listsee

Vom Stellplatz aus wandern wir ein Stück an der Saalach entlang, bis wir diese überqueren. Mit schönen Ausblicken auf das Nonner Unterland und den Hochstaufen wandern wir am gut besuchten Listwirt vorbei, wo aus der asphaltierten Straße ein Schotterweg wird. Schon kurze Zeit später erreichen wir den kleinen Listsee, der in der Sonne glitzert. Wir gehen noch ein kleines Stück durch immer tieferen Schnee weiter und biegen dann in das Bruckthal ab, von wo aus man erneut schöne Ausblicke auf Bad Reichenhall hat. Diese kleine Runde war 10 Kilometer lang, durch den tiefen Schnee aber schon recht anstrengend.

Ausflug nach Salzburg

Da die Wettervorhersage ausschließlich Sonne vorhersagt, fahren wir heute mit der Bahn nach Salzburg. Bei Traumwetter erkunden wir die touristischen Highlights der Stadt. Ein Nachmittag ist für diese Stadt eigentlich viel zu wenig, aber mehr geht zurzeit einfach nicht und wir genießen den Trubel.

Ausflug zum Königssee

Ein ausgedehntes Hochdruckgebiet liegt über uns, so dass wir heute mit der Bahn in die andere Richtung fahren: es geht nach Berchtesgaden. Nachdem wir einmal durch den Ort gegangen sind, folgen wir dem Wanderweg entlang der Königsseer Ache nach Schönau. Gut sechs Kilometer später erreichen wir den Königssee. Da Sonntag ist und die Sonne vom Himmel strahlt, ist es hier entsprechend voll. Das hält uns aber nicht davon ab, den Panoramaweg über den Malerwinkel zu gehen. Auf diesem Wanderweg, der im Winter geräumt wird, hat man fantastische Ausblicke auf und über den Königssee. Durch einen lichten Wald führt der Weg zurück zur Talstation der Jennerbahn, wo wir noch ein Weilchen dem geschäftigen Treiben zusehen. Natürlich darf auf dem weiteren Rückweg auch ein Abstecher zur Eisbahn nicht fehlen. Als wir wieder in Berchtesgaden ankommen, haben wir gut 18 Kilometer Fußmarsch hinter uns und freuen uns auf die gemütlichen Sitze in der Bahn.

Radtour zum Johannishögel

Heute holen wir zur Abwechslung mal unsere Fahrräder heraus und fahren zunächst an dem tollen Radweg an der Saalach entlang nach Piding. Wir statten Schloss Staufeneck, welches man allerdings nicht besichtigen kann, einen Besuch ab und fahren dann grob in Richtung eines Turmes, den wir von weitem sehen. Nach einiger Zeit und gefühlt unendlich vielen Höhenmetern (so viele waren es tatsächlich nicht) kommen wir auf Johannishögl mit einer Kirche, die man schon von weitem gesehen hat sowie einem sehr gut besuchten Gasthaus, heraus. Wir fahren einen anderen Weg weiter und müssen bereits nach kurzer Zeit absteigen, da wir im Schlamm und Schneematsch versinken. Nach einer kleinen Schiebepassage kommen wir an der Neubichler Alm heraus. Diese hat allerdings geschlossen und wir sind vom Schieben so durchgefroren, dass wir nur noch schnell zurück wollen.

Auf schnellstem Weg fahren wir nach Bad Reichenhall und sind froh, als wir endlich ein heißes Getränk im warmen Wohnmobil zu uns nehmen können.

Pfaffentalrundweg ab Ramsau

Zusammen mit einigen Patienten aus Thorstens Klinik und einer Wanderführerin fahren wir nach Ramsau. Hier wandern wir gemeinsam durch die unglaublichen Schneemassen. Der Pfaffentalrundweg ist etwas über 4 Kilometer lang, überwindet 130 Höhenmeter und bietet immer wieder grandiose Ausblicke in die schneebedeckte Landschaft. Im Anschluss an die Wanderung kehren wir im Berggasthof Hirschkaser ein und genießen den Blick auf den Watzmann!

Wanderung zum Thumsee

Da wir bei unseren Wanderungen immer von weitem die Burgruine Karlstein und die Pankrazkirche gesehen haben, haben wir uns heute die Ruine als Ziel gesetzt. Wir wandern an der Saalach entlang und erreichen bereits nach einer Stunde die Ruine. Von hier aus hat man einen schönen Blick auf Bad Reichenhall und kann auch schon den Thumsee sehen.

Der Thumsee ist der größte See im Stadtgebiet, liegt in einem Landschaftsschutzgebiet im Ortsteil Karlstein und ist zwischen Mai und September ein beliebter Badesee. Der See wird überwiegend durch unterirdische Quellen gespeist. Der Ablauf erfolgt über den Seemösl, ein kleiner Sumpfweiher mit Seerosenfarm und den Seebach.

Da das Wetter so schön ist, wandern wir noch bis zum See und kehren in einer kleinen Gaststätte mit Biergarten ein. Für den Rückweg entscheiden wir uns für einen Wanderweg, der wieder über den Listsee führt, in der Hoffnung, dass nicht mehr allzuviel Schnee liegt. Und wir haben Glück: nach gut 12 Kilometern sind wir wieder zurück am Wohnmobil.

Bad Reichenhall im Winter
Blick zur Pankrazkirche

Wanderung zur Padinger Alm

Da wir immer wieder die Reichenhaller Hütte auf dem Hochstaufen sehen und der Gipfel überall ausgeschildert ist, wollen wir wenigstens mal gucken, wie weit man bei der derzeitigen Schneelage kommt. Das Ergebnis ist ziemlich ernüchternd: bereits kurz hinter der Padinger Alm, also etwa 2,5 Kilometer vom Stellplatz entfernt und gut 280 Meter höher, ist Schluß. Ab hier versinken wir mehr als knietief im Schnee.

Wir werden auf jeden Fall wieder hierherkommen, wenn kein Schnee liegt, und werden auf den Hochstaufen wandern!

Wanderung nach Großgmain

Nachdem wir mittlerweile feststellen mussten, dass wir wegen des Schnees weder auf den Hochstaufen, noch zu Fuß auf den Predigtstuhl kommen, wollen wir wenigstens mal versuchen, ob wir die Straße auf den Untersberg finden. Und so marschieren wir in Richtung Großgmain. Zunächst klappt auch alles prima, aber dann stoßen wir auf das übliche Problem: Schneemassen! Spontan entscheiden wir um und kehren in der Wolfschwang Alm ein und genießen im Biergarten die Sonne bei herrlichster Aussicht!

Unser Fazit

Und das Fazit? Wir kommen wieder nach Bad Reichenhall und auch an die anderen Orte, die wir in diesem Urlaub angefahren sind. Aber nur, wenn kein Schnee mehr liegt. Wir wollen unbedingt mal auf den Hochstaufen und auf den Predigtstuhl wandern. Zum Skilaufen eignet sich der Stellplatz in Bad Reichenhall eher nicht, aber dadurch, dass wir so ein Glück mit dem Wetter hatten, konnten wir wirklich viel machen.

Ob wir allerdings die großen Fans vom Wintercamping werden, überlegen wir noch. Natürlich ist es toll, aus dem Wohnmobil direkt in den Schnee zu fallen. Und auch Langlaufski ist ein toller Sport, aber unser Wohnmobil ist mit seinem Vorderradantrieb nicht wirklich für Schnee und Eis gemacht. Vielleicht werden wir im nächsten Winter einfach mal wieder in den Harz fahren, um noch ein paar Erfahrungen zu sammeln.